Pure Vernunft darf niemals siegen

Vernunft?! Ich kann es nicht mehr hören! Immer wieder wenn ein Wettkampf bei mir ansteht gehe ich mit wohl mit zu viel Bedacht an den Start. Zu Beginn meiner „Läuferkarriere“ hatte ich diese automatische Bremse noch nicht in meinem System installiert. Natürlich habe ich damals am Ende mancher Wettkämpfe bitter für das risanke Anlaufen bezahlt….aber genau so oft war ich mit dem eingegangenen Risiko erfolgreich. Also warum immer vernünftig sein und nicht mal von Beginn an selbstbewusst „auf Kante“ laufen?


Verena, Bianka, Anni, Chrisi und ich – Ein kleiner Teil vom Chicken Express Running-Team beim Rodgau Ultramarathon

Vernunft kommt gerne als hohle Phrase daher und entpuppt sich im Rückblick als flascher Rat

Bereits im letzten Jahr wollte ich die 4-Stunden Marke über 50 KM knacken und scheiterte kläglich wegen eines Wadenkrampfs auf der Zielgeraden…. 14 Sekunden war ich am Ende drüber. Eigentlich lächerlich aber es ärgerte mich im Nachhinein schon etwas. Auf jeden Fall hatte ich die 14 Sekunden nicht am Ende des Rennens verdaddelt sondern zu Beginn als ich mit befreundeten Läufern auf den ersten 25 KM noch genüsslich gequasselt hatte. Dieses mal nahm ich mir vor gar nicht erst in diese Situation zu kommen und mein Rennen von Beginn an viel ambitionierter anzugehen. Zusätzlich wollte ich natürlich auch für die LG Ultralauf, für die ich gemeldet war, eine ordentliche Leistung abliefern.

Im Startgetümmel hatte ich gleich wieder viele bekannte Gesichter im Blickfeld. Es ist echt schön so viele Leute zu sehen die man sonst nur aus den Laufforen der sozialen Medien kennt :-). Mit am Start waren auch Natascha und Jasko von der LSG Karlsruhe. Gemeinsam gingen wir das Rennen an. Mit Natascha habe ich in der Vergangenheit schon so manche Schlacht geschlagen und ich freute mich auch dieses mal wieder eine sehr erfahrene Läuferin an der Seite zu haben, die mich gerade auf den ersten Runden immer wieder mal bremste oder zog. Das Tempo sollte dieses Mal von Beginn an zwischen 4:40- und 4:45 min/km liegen. Nach einer Weile hatten wir uns dann auch schön in diesem Tempo eingependelt und es lieft richtig gut. Wir waren auf Kurs in Richtung 3:55 Stunden.

Boxenstopp

Unsere 5 Km-Rundenzeiten konnten besser nicht sein. 23:37 – 23:39 – 23:40 – 23:38 – 23:11 Minuten. Leider musste Natascha bei KM 25 etwas abreisen lassen, sie hatte nicht Ihren besten Tag in Rodgau aber bis dahin war das ziemlich gut. Für mich kam dann auch das erste kleine Problemchen….ich musste Pipi :-)…so ein Mist. Aber alles pfetzen half nichts, der Druck auf der Blase wurde immer stärker. Also ab auf die Pipibox. Danach liefs deutlich besser, wenn ich auch Jasko, der bislang an meiner Seite war, durch den Boxenstopp verloren hatte.

Vorne Natascha Bischoff , mitte ich und der gut gelaunte Jasko hinten im Windschatten 😉 Bild: Norbert Wilhelmi

Auch die nächsten beiden Runden verflogen wie im nu in 23:35 und 23:43 Minuten, alles schien perfekt zu laufen und ich fühlte mich mit meiner Renntaktik bestätigt, wenn auch noch 15 KM zu laufen waren. Sogar die Sonne kam zwischendurch mal raus…Läuferherz was willst du mehr.

DNF…Aber…

Tja… meine lieben Leserinnen und Leser….es wäre doch zu schön gewesen um wahr zu sein. Kaum hatte ich die Verpflegungsstelle zum 7. Mal hinter mir gelassen spürte ich wie sich die Zehen an meinem linken Fuß immer mehr verkrampften. Mit jedem Schritt versuchte ich irgendwie eine Streckung hinzubekommen…vergebens. Nach einem weiteren Kilometer zog sich die Verkrampfung immer weiter hoch in die linke Wade. Was tun? Ich war gut in der Zeit und hätte einfach das Tempo etwas drosseln können und sehr wahrscheinlich trotzdem unter 4 Stunden über die Ziellinie laufen können. Aber…in meinem Kopf ging´s hoch her. Der Bienwaldmarathon Anfang März ist mein großes Frühjahrsziel. Nach 2 1/2 Jahren will ich nochmals meine PB über die Marathondistanz angreifen und wenn ich mir jetzt eine Verletzung reinlaufe wäre das mehr als ärgerlich. Bislang läuft mein Training ganz gut ich bin guter Hoffnung auf eine 3:05h in Kandel. Wenn ich aber hier und heute das Ding mit aller Gewalt zu Ende bringen wollte ging ich ein großes Risiko ein. Das Ende vom Lied war – DIE PURE VERNUNFT – hat wieder gesiegt. Nach 40 Kilometern und 3:09 Stunden war für mich Schluss an der Gänsbrüh.

Weiter geht´s

Der Ärger über das DNF hielt aber nicht wirklich lange an, denn im Prinzip stimmte mich die Form sehr zuversichtlich im Ausblick auf den anstehenden Marathon. Der Vorteil an der ganzen Sache war, dass ich die drauffolgende Woche ohne lange Regeneration gut weiter trainieren konnte. Warum ich immer wieder die Probleme mit den Krämpfen habe ist mir schleierhaft. Ich hatte mich verpflegt, Salztabletten genommen und auch im Vorfeld immer schön Magnesium zu mir genommen. C´est la vie… 🙂

Chicken Express Running-Team

Die viel tolleren Geschichten schrieben an dem Wochenende meine lieben Freunde vom Chicken Express Running-Team. Die liebe Anni mit dem roten Headband (unten auf dem Bild) und dem ewigen grinsen im Gesicht hat ihren ersten Ultramarathon in 5 Stunden und 10 Minuten geschafft. Eine richtig tolle Leistung hast da abgeliefert. Und der Hammer bei Ihr ist ja, dass Sie nach 10 Runden in Rodgau im Ziel immer noch so aussieht als wäre sie gerade eben erst losgelaufen :-)…Krass! Und noch eine Premiere gab es in unseren Reihen…wieder eine Dame…Verena hat ebenfalls ihren ersten 50er in der Tasche! Das ganze sogar ohne vorher einen Marathon zu laufen…Junge, Junge…da haben wir es doch wieder… – PURE VERNUNFT DARF NIEMALS SIEGEN – Der Dritte im Bunde war Chrissi der sein zweites Mal Rodgau souverän gefinnisht hat und Ralf der seine DUV-Statistik ebenfalls um einen weitern 50er erweitert hat. Last but not least hat unsere Bianka im Rahmen des Rodgau Ultramarathons ihren längsten Lauf überhaupt absolviert. 35 Kilometer sind es am Ende geworden. Eine super Leistung …das Schreit doch nun förmlich schon nach einem Marathon in den nächsten Monaten 😉

Das Dreigestirn: Anni lacht und zieht die beiden Herren Ralf und Chrisi im Sog über die Start- und Zielgerade 🙂 Bild: Norbert Wilhelmi

Die Mumie

Mein Herblatt Claudi kann wegen eines Bandscheibenvorfalls derzeit nicht laufen und hatte zu unserer Unterstützung stundenlang und dick eingepackt am Streckenrand ausgeharrt .-) Bild: Norbert Wilhelm

Am Ende hatte es dann auch meine liebe Claudi geschafft. Stundenlang hatte Sie am Streckenrand sitzenderweise als Mumie für Unterhaltung gesorgt und war begehrtes Fotoobjekt für viele Läuferinnen und Läufer bzw. für die offiziellen Fotografen. Auch dir einen riesen Respekt mein Schatz 🙂

Am Ende bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich für die Zukunft zwar mit allem nötigen Respekt aber niemals mehr mit purer Vernunft laufen werde…so macht das viel mehr Spaß, auch wenn der Schuss das eine oder andere mal nach hinten losgeht 🙂

Hier noch meine Aufzeichnung aus Runalyze

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